Ghana

1. Projektreise 2013: Projektbericht "Ghana"

Projekt "Ashaiman" / "Tema": 8. Februar 2013: Dr. Winter und Dr. Festl erreichen ihr zweites Etappenziel in Westafrika: Ghana.

 

Ashaiman ist ein Slumgebiet am Rande der Hafenstadt Tema. Anfang der 60er Jahre war Tema noch ein kleines Fischerdorf. Infolge einer rasanten Industrialisierung durch den Ausbau des Hafens wurde Tema in kürzester Zeit zu einer Großstadt. Schnell kamen Zuwanderer aus ganz Ghana und den Nachbarländern auf der Suche nach Arbeit nach Tema. Die Menschen, die keine Arbeit fanden und wenig Geld besaßen, siedelten sich am Stadtrand an. So entstand Ashaiman. Heute zählt Ashaiman rund 200.000 Einwohner, von denen 55 % unter 18 Jahre alt sind. Sie setzen sich aus fast allen Ethnien Ghanas zusammen. Viele Bewohner sind arbeitslos oder schlagen sich als Straßenhändler durch. Die Armut fördert Kriminalität und Gewalt. Viele Kinder leben auf der Straße und versuchen sich mit kleinen Jobs und Stehlen durchzuschlagen. In Ashaiman besteht das Bildungssystem nach den letzten statistischen Erhebungen aus 30 privaten Vorschulen mit rund 2.700 Kindern, 36 Grundschulen mit ca. 12.000 Schülern und 16 Hauptschulen mit rund 4.600 Schülern. Es gibt nur drei weiterführende Schulen mit 740 Schülern Land. Infolgedessen verlassen rund 60% der Schülerinnen und Schüler die Schule ohne einen qualifizierten höheren Schulabschluss.

 

Darüber hinaus gibt in der Region nur zwei kleinere berufliche Ausbildungszentren, von denen nur eines über einige Nähmaschinen als Ausstattung verfügt und das zweite lediglich Kurse für Maschinenschreiben anbietet. Es fehlt an jeglicher Ausstattung, aber auch an qualifizierten Ausbildern. Insgesamt zeigt sich daher im Schul- und Ausbildungsbereich wenig Perspektive für die Jugendlichen in dieser Region. Besonders fehlt es an Ausbildungsmöglichkeiten im handwerklichen Bereich. Viele der in der Region ansässigen Unternehmen sind daher an qualifizierten Arbeitskräften interessiert.

 

Das Don Bosco Training Center

 

Nach eingehenden Studien und Planungen wurde im Februar 1997 der Beschluss gefasst, in Ashaiman ein Jugend- und Ausbildungszentrum für mittellose Jugendliche und Straßenkinder einzurichten, das 1999 vom HDZ eingeweiht wurde.

 

Die Kontaktaufnahme mit den Straßenkindern erfolgt durch Streetworker an den Arbeits- und Schlafplätzen der Kinder. Dort erhalten sie ein Angebot für Beratung und Begleitung. Im Erstaufnahmezentrum können sie Unterkunft, Nahrung, Kleidung und allgemeine Betreuung finden. Hier werden sie dann in Vorbereitungsklassen auf den Schulbesuch oder eine non-formale Ausbildung vorbereitet. Nach Möglichkeit wird die Reintegration der Kinder in ihre Herkunftsfamilien angestrebt.

 

Das Berufsbildungszentrum in Ashaiman unterrichtet rund 260 Auszubildende in den Bereichen Schweißen, Elektronik, Elektrik, Sekretariat, Kühltechnik und Computer-Software. Rund 55 Auszubildende wohnen in den angeschlossenen Wohnheimen. Die Ausbildungen dauern in der Regel zwei Jahre. Seit dem Bau der neuen Werkhalle für eine Kfz-Ausbildung werden jetzt zusätzlich Ausbildungen in diesem Bereich angeboten. Die Kfz-Werkstatt nimmt auch Reparaturaufträge von außen an. Dies ermöglicht eine praxisnahe Ausbildung sowie eine teilweise Finanzierung der Ausbildungskosten. Eine zusätzliche Don-Bosco-Fahrschule rundet das Angebot in diesem Berufsbildungszentrum und eine willkommene Einnahmequelle ab.
 

Tema New Town – das Satelliten-Projekt


Tema New Town ist das Hafenviertel der Stadt. Dort leben sehr viele Jugendliche auf den Straßen. Im Satelliten-Projekt werden Alphabetisierungskurse für 46 Jungen und Mädchen durchgeführt, 15 Kinder erhalten Stipendien für den Schulbesuch.

 

Etwa 40 % der Auszubildenden kommen aus dem Bereich der ehemaligen Straßenkinder und Kinderarbeiter/innen. Für die Ausbildung werden keinerlei Zugangsvoraussetzungen erwartet. Junge Menschen, die nicht über die nötige Vorbildung (Hauptschulabschluss) verfügen, können einen Schulabschluss parallel zur beruflichen Ausbildung erwerben. Wichtiger als Schulbildung sind für die Aufnahme im Zentrum jedoch praktische Begabung und Lernbereitschaft. Für Straßenkinder und Schulabgänger, die weder lesen noch schreiben können, werden außerdem Kurzzeitkurse von 6 bis zwölf Monaten angeboten. Es handelt sich hierbei um informelle Kurse in Kunsthandwerken, Schnitzen, Töpfern, Schweißen, Nähen, Spielzeugherstellung. Aber auch Kurse in Erster Hilfe, Hygiene und Gesundheitserziehung, Leadership-Kurse, zur Bildung der Persönlichkeit, Sport und Kultur werden am Zentrum regelmäßig durchgeführt. Für viele Kinder ist dies der erste Kontakt mit einem geregelten Bildungssystem. Eine praxisnahe Ausbildung ist für junge Menschen ist auch in Ghana der beste Schutz gegen ein Leben in Armut.

Projekt: Berufsbildungszentrum Ashaiman

  • Projektpartner: Salesianer Don Boscos
  • Zielgruppe: Straßenkinder oder marginalisierte Jugendliche sowie um Jugendliche, die vorzeitig die Schule verlassen haben, da die Eltern nicht das Schulkosten bezahlen können
  • Ziele des Projekts: Ausbildung von Straßenkindern und Jugendlichen im Berufsbildungszentrum. Die Werkstätten bilden qualifizierte Tischler, Maurer, Schneider, Schlosser, Elektriker, Elektroniker, Kälte- und Klimatechniker und Bürokaufleute aus.
  • Maßnahmen: Bau einer Kantine und Autowerkstatt, Lieferung einer kompletten Zahnstation für das benachbarte Krankenhaus National Catholic Service Centre, Ashaiman.

Bisheriges Kursangebot (1999 bis 2004):

Durchschnittliche
Teilnehmerzahl
pro Jahr

Durchschnittliche
Teilnehmerzahl 
insgesamt

Elektriker:

20-25

40-50

Elektronik:    

15-20

30-40

Kühltechnik und Aircondition:

20-25

40-50

Sekretariat/ EDV:   

25-30

50-60

Schweissen:

15-20

30-40

Summe

95-120

190-240