Nigeria

Neuigkeiten aus Afrika Teil 1: Projektreise Feb. 2013 - Nigeria

Am 5. Feb. Erreichten Dr. Winter und Dr. Festl das erste Etappenziel ihrer Reise: das westafrikanische Nigeria, genauer gesagt den Bundesstaat Enugu im Süden des Landes. Im feucht-heißen, tropischen Süden werden Baumwolle, Kokosnüsse und Reis angebaut. Auch die Gewinnung von Bodenschätzen ist bedeutet, ebenso die Förderung von Erdöl und Erdgas. Nigeria ist der sechstgrößte Ölproduzent innerhalb der OPEC. Seine Ressourcen konnte das Land, das bis 1998 eine Militärdiktatur war, bisher jedoch nicht für eine erfolgreiche Armutsbekämpfung nutzen. Obwohl seit 15 Jahren eine demokratische Regierung an der Macht ist, hat sich an Korruption und Misswirtschaft nicht viel geändert. Kranke, Arme und Alte sind auf Familienhilfe angewiesen, nur Regierungsbedienstete kommen in den Genuss öffentlicher Fürsorge. Die Trinkwasserversorgung ist schlecht, ebenso wie die hygienischen Verhältnisse. Kriminalität ist an der Tagesordnung, Umweltverschmutzung allgegenwärtig, Niedrige Einkommen, eine rasant wachsende Bevölkerung und leere Staatskasse führten zum Scheitern aller Pläne, ein Gesundheits- und Rentensystem zu schaffen. Epidemien fordern unter der unterernährten und schlecht versorgten Landbevölkerung oft Tausende von Opfern. Und obwohl In Nigeria eine neunjährige Schulpflicht besteht, besucht nur etwa jedes zweite Kind eine Schule. Wie in den meisten Fällen ist Bildung auch in Nigeria der Schlüssel zu einem besseren Leben. Dieser Ansicht ist nicht nur das HDZ, sondern auch der nigerianische Priester Dr. Boniface Amu.

Er kennt die Probleme seines Landes nur zu gut und sucht Zeit seines Lebens nach Lösungen.

 

Während seines Theologiestudiums in Bonn hatte er die Vision, nach seiner Rückkehr in seine Heimat ein Bildungszentrum für sozialschwache Familien zu gründen. Er wollte damit Menschen Perspektiven eröffnen, eigene Schritte aus Resignation und Armut zu gehen und ein selbstverantwortetes Leben zu führen. Es entwickelte sich ein Konzept unter dem Leitgedanken „Bildung ist Befreiung“ – die Basis zur Gründung des Vereins, der unter dem Namen „Enyiduru-Projekt Nigeria e.V.“ im Jahre 1996 ins Leben gerufen wurde.

 

Vor einigen Jahren schrieb Pater Dr. Boniface Amu an das HDZ: „Mein Traum ist, dass Kinder in Nigeria zehn Jahre lang die Möglichkeit haben zu lernen – in einem Umfeld ohne Korruption, ohne Lüge und Gewalt, ohne Stehlen und Betrug, dafür in Selbstachtung und Würde. Das ist eine Erziehung, die hier im Land nicht bekannt und nicht möglich ist. Wenn diese Kinder dann mit dieser neuen Lebensqualität in die Welt geschickt werden, Familien gründen und Arbeit finden, wird das nach und nach eine Veränderung bewirken. Das Gleiche gilt für alle Lehrer, Mitarbeiter und Eltern.“

 

„Dieses Schreiben hat mich tief bewegt“, sagt Dr. Winter heute. „Daher haben wir uns entschlossen, Dr. Amu zu unterstützen und ein entsprechendes Projekt ins Leben zu rufen: Ein Bildungszentrum mit Ganztagsschulbetrieb, das speziell Kindern und Jugendlichen aus sozial schwachen Familien in der Region Nsukka die Möglichkeit geben sollte, eine Schule zu besuchen. Gleichzeitig wollten wir eine ausreichende und angemessene Ernährung der Schüler sicherstellen. Weitere Ziele waren, das soziale Miteinander zu verbessern und durch die Errichtung eines Schulgartens das Bewusstsein und die Fähigkeit zur Selbstversorgung zu fördern. Außerdem wollten wir Bildungsangebote für Erwachsene anbieten und Workshops für Eltern und Lehrer initiieren. All dies ist gelungen.“

 

Mit dem Grundstückskauf im August 2007 begann die Umsetzung, die sich in Etappen vollzog und den Bau eines Schulgebäudes für 400 Kinder mit Küche, Sanitäranlagen und Schulgarten umfasste. „Für den gesamten Bauprozess, die Materiallieferungen und die Inneneinrichtung wurden ausschließlich kleine örtliche Firmen und Handwerker verpflichtet“, erläutert Winter. „Alles entstand in Handarbeit ohne den Einsatz von Baumaschinen. Dadurch hat die Fertigstellung zwar etwas länger gedauert, aber den Menschen der Region dafür sehr geholfen. Chibuzo, einer der Bauarbeiter, konnte beispielsweise durch das verdiente Geld heiraten.“

 

Dr. Winter und Dr. Festl waren stolz, das Bildungszentrum jetzt – zwei Jahre nach der Inbetriebnahme – offiziell übergeben zu dürfen. Anwesend waren neben den HDZ-Vertretern auch Priester Dr. Boniface Amu sowie Birgitta Schneider als Vorstandsmitglied des Enyiduru Vereins in Bonn, der Bürgermeister des Dorfes sowie viele Schüler und Eltern.

 

„Zur Konzeption unserer Schule gehörte auch, dass schon die ganz Kleinen neben Spiel und Wissenswertem auch etwas über Hygiene und Körperpflege erlernen und mit diesem „Vorwissen“ dann das 1. Schuljahr beginnen. Dieses Wissen tragen die Kinder dann in ihre Familien und geben es dort weiter“, erklärter Winter.

 

Die Zahnpflege übten die beiden Zahnärzte gemeinsam mit den Kindern. „Hierfür hatte uns freundlicherweise der Zahnhygieneverein mit einer großzügigen Sachspende ausgerüstet“, so Winter. „Die Durchführung eines künftigen professionellen HDZ-Zahnprophylaxe-Programms mit der Ausbildung und Schulung von Hilfspersonal haben wir ebenfalls mit den Projektträgern besprochen.“

 

Und auch die Freude seitens der Eltern und Schüler ist groß. So sagte Regina Omega, eine der Mütter: „Ich finde die Schule großartig, daher habe ich zwei Kinder hierher geschickt. Ich nehme auch selbst an allen Eltern-Veranstaltungen teil. Dabei habe ich gelernt, wie wichtig es für Kinder ist, in die Schule zu gehen. Glücklich bin ich auch, dass die Kinder hier zu essen bekommen.“ Und Fidelis Eze, eine andere Mutter ergänzt: „Alles was hier entstanden ist, ist toll und nicht zu vergleichen mit den staatlichen Schulen. Die Kinder benehmen sich hier wie Kinder und nicht wie „Tiere“ in anderen Schulen.“ Auch Informa Ugnuoke hat drei Kinder in dem Bildungszentrum. „Meine Kinder lernen hier viel, besonders fällt mir auf, dass sich ihr Benehmen verbessert hat. Sie sind treu und ehrlich geworden. Auch Dankbarkeit und Sauberkeit haben zugenommen.“ Und die Schülerin Uguru Cynthia fasst ihr Glück in einem Satz zusammen: „For who I am today, thank you! (dt: „Danke, dass Sie mich zu dem Menschen gemacht haben, der ich heute bin“). Was lässt sich da noch hinzufügen? Eigentlich nichts mehr, außer: „Den Dank des kleinen Mädchens geben wir an unsere treuen Spender weiter“, so Dr. Winter abschließend.

Projekt: Bau einer Grundschule mit Speisesaal, Nsukka, Enugu-State

  • Projektpartner: Enyiduru-Projekt Nigeria e. V., Bonn
  • Zielgruppe: Kinder und Jugendliche aus der Region Nsukka, die vor dem Hintergrund keine Möglichkeit zu schulischer Bildung haben.
  • Ziele des Projekts: Das Zentrum soll den Ganztagsschulbetrieb sowie eine ausreichende und angemessene Ernährung von ca. 400 Schülern ermöglichen.
  • Maßnahmen: Grundstückskauf und -übergabe, Rodung und Befriedung (Ummauerung des ca. 9000 qm großen Grundstücks) sowie anschließend die Errichtung einer Küche, eines Speisesaals für die Schulspeisung, einer angrenzenden Grundschule und eines Schulgartens. Grundschule und Speisesaal befinden sich unter einem Dach.
Abschlussbericht-Nsukka,Nigeria
Nigeria-Abschlussbericht-Dr.-Winter.pdf
Adobe Acrobat Dokument 2.4 MB