Simbabwe

Neue Zahnstation in Simbabwe eingeweiht

HDZ möchte dem immensen Anstieg von Zahnerkrankungen bei Kindern im südlichen Afrika entgegenwirken

 

Ich bekomme manchmal die Fragen gestellt: Welche Hilfe ist sinnvoll und welche nicht? Warum unterstützen wir ein Land, in dem eine korrupte Regierung herrscht? Wäre es nicht besser, die Menschen sich selbst zu überlassen? Diese Fragen sind natürlich berechtigt – vor allem, wenn es um so ein umstrittenes Land wie Simbabwe geht. Ich bin aber der Meinung, die Rahmenbedingungen dürfen keine Rolle spielen, ob ein Projekt genehmigt wird, oder nicht – ausschlaggebend ist die menschliche Hilfe. Ich sehe auf meinen Reisen wirklich verzweifelte, bitterarme Menschen, die kaum eine Chance auf Bildung oder gesundheitliche Versorgung haben. Wenn ich als Dank für ein erfolgreich implementiertes Projekt dann ein Strahlen und ein glückliches Lächeln auf ihren Gesichtern sehe, dann fliege ich zurück nach Deutschland und versuche dieses Strahlen weiter zu geben an meine Spender, um auch sie zu motivieren: „Lasst uns nicht müde werden, hilflosen Menschen auf unterschiedliche Weisen zu helfen!“ Die Mühe ist nie vergebens, sie bewirkt immer etwas. Das wird auch in Simbabwe so sein – Simbabwe, ehemals blühendes Rhodesien, Land im südlichen Afrika,  seit 1980 unabhängig. In den ersten zehn  Jahren nach der Unabhängigkeit boomte die Wirtschaft dort noch, die Landwirtschaft war hoch entwickelt und der Grad der Industrialisierung beachtlich im afrikanischen Vergleich. Auch die anfänglichen Reformen in der Gesundheitspolitik zeigten signifikante Erfolge. So sank die Kindersterblichkeit durch Vorsorgemaßnahmen wie Impfungen und den Zugang zu sauberem Trinkwasser durch Brunnenbau deutlich. Und die Errichtung von neuen Gesundheitszentren trug dazu bei, die Lebenserwartung der Menschen zu steigern. Doch im Zuge der Zeit wendete sich das Blatt. Verschuldung und Haushaltsdefizite verschlechterten die wirtschaftliche Situation dramatisch. Dürrekatastrophen und fehlgeschlagene „Strukturanpassungsprogramme“  der Mugabe-Regierung kamen hinzu. Falsche Landreformen und brutale Verstaatlichungen, Korruption und Unterdrückung von Demokratiebewegungen prägen heute das Land. Die Probleme werden auf allen Ebenen immer gravierender. Simbabwe gehört zu den von der HIV-/AIDS-Epidemie am stärksten betroffenen Ländern der Welt. Jeder Vierte Erwachsene trägt das Virus in sich. Die durchschnittliche Lebenserwartung erreichte dadurch den niedrigsten Wert weltweit: Männer werden meist nicht älter als 37 Jahre, Frauen gerade mal 34 Jahren. In den großen Städten funktionieren nur noch die privaten Kliniken, die wohlhabenden  Einwohner vorbehalten sind. Streiks in  Schulen und im Gesundheitswesen sind aufgrund der Niedriglöhne an der Tagesordnung. In vielen Schulen fehlt die Hälfte der Lehrer. Auch Hungersnöte und AIDS-Pandemie führten in ländlichen Gebieten in den letzten Jahren zu einem deutlichen Rückgang des Schulbesuchs. Die schwere wirtschaftliche Krise hat zu einem Anstieg der Kinderarbeit geführt, der zu Lasten des Schulbesuchs geht. Trotz intensiver Bemühungen des Ministeriums für Gesundheit und Wohlfahrt für Kinder (MOHCW) ist auch der Anstieg von Zahnerkrankungen bei Kindern immens. Ein kohärentes und glaubwürdiges Prophylaxe-Programm wäre der einzige Weg für eine nachhaltige Verbesserung der Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen. Bis vor kurzem befand sich in der Manicaland Provinz, eine der zehn Provinzen in Simbabwe, eine einzige öffentliche zahnärztliche Einheit für 450.000 Menschen. Sie steht in Mutare, vier Autostunden entfernt von Harare, im Provincial Hospital und liegt daher für die meisten Menschen gänzlich außerhalb ihrer Reichweite. Diese Zahnstation führt durchschnittlich 60 Extraktionen und nur 30 Füllungen pro Woche bei durchschnittlich 2400 zahnärztlichen Konsultationen pro Monat durch. Die Zahnklinik ist für Zahnbehandlungen bis Ende März 2014 „ausgebucht.“  Aufgrund dieser extremen zahnärztlichen Unterversorgung hat das HDZ bereits 2009 den Neubau einer Zahnstation auf dem Gelände des St. Joseph Hospitals in Mutare beschlossen In der TV-Dokumentation auf BR „Gold für Afrika“ wurde darüber berichtet. Der Film ist abrufbar unter http://www.hilfswerk-z.de/BR_2010_gr.htm. In den vergangenen fünf Jahren wurden in Zusammenarbeit mit ansässigen Dominikanerinnen und dem Medical Director des St Joseph Hospitals, Dr. Talent Maphosa, Baupläne, Kostenvoranschläge,Genehmigungsverfahren gesichtet, korrigiert, geprüft und schließlich freigegeben. Fast 100.000 Euro wurden bereitgestellt, um den Bau samt zahnmedizinischer  Einrichtung fertig zustellen. Während die Behandlungseinheit vor Ort gekauft wurde, kam das zahnärztliche Instrumentarium größtenteils zollfrei aus Deutschland. Am 11.12.2013 fand die offizielle Einweihung und Übergabe an das Klinikdirektorium statt. Als Vorsteher des HDZ war ich persönlich vor Ort. Außerdem nahmen Dr. Siyamuchemwa vom Gesundheitsministerium und andere prominente Vertreter des Landes an den Feierlichkeiten teil. Die Zahnstation ist ab sofort mit einem ortsansässigen Zahnarzt ständig besetzt. Neben den hier ambulant betreuten AIDS- und Tbc-infizierten Patienten wird auch die Bevölkerung der Umgebung von den zahnärztlichen Leistungen partizipieren. In einem Schreiben an mich bedankt sich die Generalpriorin der Dominikanerinnen, Schwester Ferrera Weinzierl, für den erfolgreichen Projektabschluss: „Die Zahnstation in Mutare ist die erste, die ich dort kenne. Sie wird vielen Leuten helfen. Es ist einfach schlimm, dass bisher die Zähne ohne Versuch der Zahnerhaltung immer nur entfernt werden mussten. Wir danken Ihnen und Ihren Spendern sehr für die große Hilfe. Vergelt’s Gott!“ An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Landeszahnärztekammer Sachsen seit Spätherbst 2012 mit einem gezielten Spendenaufruf in ihrer Region das Projekt „Zahnstation Mutare“ unterstützt hat. Durch seinen beispielhaften, persönlichen Einsatz hat der Vizepräsident der LZK-S, Dr. Thomas Breyer, viele seiner standespolitischen Mitstreiter sowie die niedergelassene Kollegen in Sachsen für eine projektbezogene Spende gewinnen können. Trotz der Hochwasserkatastrophe im Sommer 2013 mit immensen Schäden im eigenen Land wurden dem HDZ fast 40.000 Euro aus diesem Spendenaufruf gutgeschrieben. Herzlichen Dank dafür! Als Résumé meines Besuchs in Simbabwe kann ich nur wiederholen, was ich bereits eingangs geschrieben habe: „Jede Hilfe ist sinnvoll, wenn sie armen Menschen zugute kommt – und gesunde, schöne Zähne geben auch Patienten in Afrika ein Stück Selbstwertgefühl und Lebensqualität zurück. “

 

Die neue Behandlungseinheit
Die neue Behandlungseinheit

Projekt: Elektrizität für Häuser von Waisen und hilfsbedürftigen Kindern

  • Projekthintergrund: Alle Bewohner der "Halfway houses" in Hatcliffe / Harare wurden einst durch die Regierung umgesiedelt, nachdem ihr Zuhause durch ein "Clean up" 2005 zerstört worden sind. Viele dieser Menschen sind arbeitslos oder scheinselbständig. Ihre Häsuer sind weder an die Elektrizität noch an die Wasserversorgung angeschlossen. Der Anschluss an das E-Netz bedeutet für diese Menschen einen großen Nutzen, da sie diese Installation nicht selbst leisten könnten.
  • Ziele des Projekts: Während die Mädchen im Alter von 18 Jahren das Kinderheim Emerald Hill Children’s Home verlassen müssen und ins eigenständige Leben hinausgehen, müssen die Jungen bereits im Alter von 12 Jahren in ein "Home for Boys" umziehen. Da die Jugendlichen mittelllos und verwaist sind, werden sie in den Halfway Houses während der Ferienzeiten aufgenommen und versorgt. Die Älteren bleiben maximal 18 Monate in den Halfway Houses, um ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten in dieser Zeit durch Schulungen zu erweiteren, damit sie im späteren Leben wirtschaftlich unabhängig leben können.
  • Maßnahmen: Hausbau, Wasserversorgung, Elektrizität, Grundausstattung der Häsuer, Schulungsprogramme (Landwirtschaft-Projekte für Emerald Hill Studenten, Hatcliffe Jugend, ländliche Jugend von Churumhanzu, Schneiderei, Zimmerei, Computerkurse ICDL)