Deutschland

Die Praxis über Wasser halten – auch nach der Flut

Erschütternde Kollegenschicksale in Sachsen-Anhalt: Ein Bericht von Dr. Klaus Winter

"So leicht lasse ich mich nicht unterkriegen" (Zahnärztin Kerstin Richter aus Friedeberg an der Saale)

Dass es so schlimm kommen würde, konnte niemand ahnen, auch nicht die bereits „hochwassererprobte“ Zahnärztin, Kerstin Richter, aus Friedeberg an der Saale. Bereits die Fluten 1994 und 2003 hatten Schäden hinterlassen. Damals waren jedoch „nur“ Fußböden und Möbel betroffen. Diesmal ist ihre ganze Praxis förmlich „abgesoffen“.

 

Am 4. Juni war der Kampf verloren. Die Feuerwehr muss die Pumpen abstellen – Katastrophenalarm! Die Einsturzgefahr des Praxisgebäudes durch den steigenden Wasserdruck ist zu groß. Hüfthoch steht die braune Brühe mittlerweile vor der ebenerdigen Praxistür. Nur die Instrumentarien und die durchnässte Kartei können in der Eile noch gerettet werden. Die beiden Behandlungseinheiten, Kompressor, Kleingeräte, Möbel sind in wenigen Minuten komplett zerstört.

 

Und dennoch…das Leben muss weitergehen. Momentan fühlt sich Frau Richter als „fliegende Zahnärztin“. In Gerbstedt und Rothenburg stellen zwei hilfsbereite Zahnpraxen der Kollegin stundenweise ihre Behandlungszimmer zur Verfügung, damit sie ihre Patienten weiter behandeln kann. Die beiden zahnmedizinischen Fachangestellten der Praxis Richter sind immer dabei. In den übrigen Nachmittagsstunden werden die Karteikarten im Wohnzimmer ihres Privathauses getrocknet, fotokopiert und neu in den Computer eingegeben. Die Röntgen-Kartei lässt sich allerdings nicht mehr retten.

 

Kerstin Richter lässt sich nicht entmutigen. Sie lobt die Zahnärztekammer in Magdeburg, von deren Hilfen schnell, effektiv und gut organisiert waren. Gebraucht Behandlungseinheiten, Kleingeräte und vieles mehr wird von den Kollegen angeboten. Auch das zinslose Darlehen der ApoBank komme ihr sehr entgegen, sagt sie. Der Sozialminister des Landes Sachsen-Anhalt, der ebenfalls ihre zerstörte Praxis besucht hat, habe ihr dagegen keine Hoffnung auf eine Entschädigung aus Landesmitteln gemacht.

 

So muss sich die gebeutelte Kollegin aus eigener Kraft buchstäblich „über Wasser“ halten und mit erneuter Eigeninvestition in Höhe von 40.000 - 50.000 Euro ihre Praxis wieder aufbauen. Für den 1.Sep 2013 plant sie die Neueröffnung an anderer Stelle – mit Hilfe der Gemeinde – so hofft sie. Unter Tränen sagt sie: „So leicht lasse ich mich nicht unterkriegen. Und meinen Humor habe ich auch noch nicht verloren.“

 

Für mich steht nach meinem Besuch bei Frau Richter fest: „ein Teil der bundesweiten Kollegenspenden wird auch hierhin fließen.“

 

In Sachsen-Anhalt sind insgesamt 25 Zahnarztpraxen von der Flut betroffen, zwei davon mittelschwer, zwei sind total zerstört worden. Deshalb darf die kollegiale Solidarität noch nicht aufhören – auch jetzt nicht, wo die Bilder der Flut bereits wieder aus den Tagesthemen verschwunden sind.

 

Ich bitte Sie daher, weiterhin tüchtig zu spenden, damit die betroffenen Praxen in Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen und sonstwo Unterstützung erfahren! Hier muss „der Pegel“ noch weiter steigen!

 

Jugendkonferenz der Don Bosco Mission in Bonn

Wie wäre es in Bonn zu leben, wenn…?

 

Dreißig junge Menschen aus elf Nationen sind in diesen Tagen als Gäste der Jugendkonferenz 2013 in Bonn unterwegs. Zum Thema Landflucht und Mega-Cities lassen sie sich unter anderem durch Aktivitäten in der Innenstadt inspirieren. Mit ihren unterschiedlichen kulturellen Hintergründe und Erfahrungen entstehen interessante Geschichten. Die Besucherinnen und Besucher aus Kambodscha, Sambia, Argentinien, Peru, Indien, Spanien, Italien, Tschechien, Slowenien, Belgien und Deutschland diskutieren über die Vor- und Nachteile von Mega-Cities und setzen sich mit der Frage auseinander, was junge Menschen bewegt ihre Heimat zu verlassen, um in die Städte zu ziehen.

Bereits zum 3. Mal lädt die Don Bosco Mission in Bonn zur Jugendkonferenz ein. Die Stadt Bonn, die Sparkassenstiftung für internationale Kooperation e.V. und das Hilfswerk deutscher Zahnärzte fördern die Veranstaltung.

 

In kleinen Gruppen, mit einem Stadtplan in der Tasche, strömen die internationalen Gäste aus und versuchen sich in verschiedene Rollen zu versetzen: Wie wäre es hier zu leben, wenn ich ein Kriegsflüchtlingskind oder eine junge ausländische Studentin wäre? Die Jugendlichen sammeln verschiedene Eindrücke und halten diese auch fotografisch fest. Trotz Kälte toben sich die jungen Menschen auf einem Kinderspielplatz aus und versetzten sich somit perfekt in ihre Rolle eines achtjährigen Jungen, deren Eltern vom Land in die Stadt gezogen sind, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. „Ich könnte mir sehr gut vorstellen hier zu leben, mit all den bunten Schaufenstern und Freizeitangeboten“, meint Helena mit einem Lachen im Gesicht.
Eine andere Gruppe versucht herauszufinden, wie die Jobchancen von Ausländer/innen aussehen könnten und fragen beispielsweise in Supermärkten nach. So finden sie heraus, dass es nicht immer einfach ist seinen Traum vom besseren Leben in einer Stadt zu erfüllen. „Meine Sorgen haben sich wieder bestätigt, dass es nicht immer einfach ist als Ausländer eine Arbeit zu finden“, erzählt der Kongolese Alexander, der seit einigen Jahren in Deutschland lebt.

Gerade Kinder und Jugendliche sind gefährdet auf der Straße zu enden. Victor flüchtete aufgrund von politischen Unruhen in Eritrea nach Italien: „Als ich nach Rom kam fühlte ich mich verloren, es waren so viele Menschen auf der Straße und ich unter ihnen völlig alleine, ohne Freunde und ich konnte die Sprache nicht. Ich sah viele Ausländer, die auf der Straße lebten und keine Unterstützung vom Staat bekamen.“ Die vielfältigen Gefahren für junge Menschen fern ihrer Heimat haben die Salesianer Don Boscos erkannt und geben benachteiligten Kindern und Jugendlichen die Chance auf eine bessere Zukunft. Neben den Grundbedürfnissen erhalten sie die Möglichkeit auf Basisbildung, einer beruflichen Ausbildung und ein soziales Netz. Somit helfen die Salesianer mit ihren vielen jungen Freiwilligen, dass die Träume der Kinder und Jugendlichen doch noch Wirklichkeit werden. „Ich hatte Glück und lernte die Einrichtung der Salesianer Don Boscos kennen, wo ich heute eine Ausbildung mache“, erzählt Victor weiter. Sein Freund Dawit, der eine ähnliche Geschichte hat, nickt ihm zustimmend zu.


© Don Bosco Mission Bonn

Projekt: Avanti! Individueller Förderunterricht, Sprachförderkurse für junge Flüchtlinge

  • Projektpartner: A.s.A e.V. (Ausbildung statt Abschiebung), Bonn
  • Zielgruppe: Junge unbegleitete Flüchtlinge und MigrantInnen im Alter von 14 - 27 Jahren in der Region Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis
  • Ziele des Projekts: Die Lebensperspektiven jugendlicher, insbesondere unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland sind unbefriedigend. Sie haben praktisch keine Chance, einen gesicherten Aufenthaltsstatus zu erhalten. Dies und die derzeit geltenden Arbeitsbeschränkungen machen es jungen Flüchtlingen fast unmöglich, einen Ausbildungsplatz zu finden und einen sinnvollen Alltag zu erleben. Im Förderunterricht für junge Flüchtlinge wird individuell auf Defizite eingegangen, die sich durch den Quereinstieg in das deutsche Schulsystem ergeben. Jeder Schüler wird ganz persönlich unterstützt. Gefördert wird im Einzelunterricht oder in Kleingruppen durch ehrenamtliche Pädagogen und Studenten. Zusätzlich findet eine gezielte Sprachförderung durch regelmäßige Deutschkurse statt. Der Verein berät und begleitet unentgeltlich bei der Erlangung und Erweiterung von Qualifikationen und Fähigkeiten - zur Sicherung der Zukunft in Deutschland bzw. im Herkunftsland. Jugendliche brauchen eine Zukunft.
  • Maßnahmen: Finanzielle Unterstützung zur Durchführung der Kurse