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„Zum ersten Mal habe ich gespürt, dass ich auf einer Insel lebe“ – Corona-Restriktionen und Tropenstürme erschweren das Leben auf den Philippinen

Corona und kein Ende

Die Restriktionen für die Bevölkerung waren groß. In unserer Provinz dürfen bis heute Menschen über 60 Jahre und unter 18 Jahre nur begrenzt das Dorf verlassen. Für Fahrten außerhalb der Stadt braucht man einen vierseitigen Pass – ausgestellt vom Dorfvorsteher, dem Bürgermeister, der Polizei und einem Arzt. Sie alle müssen bestätigen, das man kein Virusträger oder krank ist. Nur Apotheken und Supermärkte durften öffnen. Die Schulen sind geschlossen. Erst im Juni öffneten einige Geschäfte und es gab auch wieder öffentliche Transportmöglichkeiten auf lokaler Ebene, aber mit begrenzter Passagierzahl, so dass für Patienten, die von außerhalb kommen, die Transportkosten stiegen. Die Inlandflüge waren erst ab Mitte Juli wieder möglich, jedoch nicht regelmäßig und es gab immer wieder Flugstreichungen. Nach Ankunft in Manila oder auch zurück nach hier müssen Passagiere 14 bis 21 Tage in Quarantäne – da überlegt man sich zweimal, ob man seinen Standort verlässt, denn hier ist keine Hausquarantäne erlaubt. Es gibt lediglich staatliche Quarantänecenter und die sind hier in der Provinz nicht wirklich einladend.

 

Zunehmende Armut

Viele Menschen wurden arbeitslos. Die ist groß, trotz den Hilfspaketen der Regierung. Seit Juni werden Menschen, die vorher in Manila gearbeitet haben, wieder in die Provinz zurück geschickt, wo sie erst einmal in Quarantäne müssen. Hier in der Provinz haben sie keine Arbeit. Bereits im April haben wir daher begonnen, Hilfspakete zu verteilen, vor allem auch an Senioren, da diese als Risikogruppe unter strenger Quarantäne stehen. Sie erhielten erstmals Nudeln, Kekse, Kaffee, Reis, Gemüse und ein Huhn. Dazu noch Seife und Zahnpasta. Wie immer brachten wir die Hilfsgüter direkt zu den Bedürftigen und die Freude war groß. 

 

Keine zahnärztlichen Behandlungen

Leider mussten auch unseren Zahnärzten, da es keine Transportmöglichkeiten zu uns auf die Insel gibt. Dazu kommt das internationale Reiseverbot. Aus EU-Staaten darf bis jetzt niemand einreisen. Viele Patienten fragen nach den Zahnärzten aus Deutschland, da in der Stadt alle Zahnärzte geschlossen hatten und nur Notfälle in der Zahnklinik im Krankenhaus behandelt wurden. Die philippinische Zahnarztgesellschaft hat sehr strenge Vorschriften für Zahnärzte in Corona Zeiten erlassen. Sie dürfen z.B. nur in voller Schutzkleidung arbeiten und auch nur begrenzte Anzahl von Patienten behandeln. Zwischen den Patienten müssen sie lange Pausen einplanen und das sind nur einige der Vorschriften.

 

Klinikarbeit läuft weiter

Die Klinik ist die ganze Zeit geöffnet und unsere Freiwilligen tun ihren Dienst ohne Angst, aber mit Schutzmaßnahmen wie Mundschutz und Handschuhen. Alkohol zur Händedesinfektion liegt immer bereit, Stühle, Patientenliegen und Abstellflächen werden regelmäßig desinfiziert. Auch müssen die Patienten Abstand halten und es nur eine begrenzte Zahl von Patienten darf sich im Klinikgebäude aufhalten. Durch die vielen Restriktionen haben wir im Moment weniger Patienten, sind aber froh, wenigstens diesen helfen zu können, z.B. mit einer Zahnprothese.

 

Taifun-Schäden beseitigen

Parallel nutzten wir die Zeit, um einige der von Taifun Tisoy und Taifun Ursula im Dezember 2019 zerstörten Hütten wieder aufzubauen. Viele Einwohner konnten es nicht aus eigenen Mitteln stemmen und so entschieden wir uns, zu helfen bevor die nächsten Stürme kommen. Manche Menschen lebten hier wirklich in zeltähnlichen Unterkünften und haben ihr ganzes Haus verloren.

 

Rückschlag durch den nächsten Tropensturm

Am 14. Mai traf jedoch Taifun Ambo mit voller Wucht auf Nord- Samar. Durch Starkregen und Sturm kam es zur nächsten Katastrophe. Sowohl im Senioren-Zentrum als auch im Mehrzweck-Gebäude hatten wir Evakuierte. Ein Mann wurde mit gebrochenen Rippen in die Klinik gebracht. Er war von einem fallenden Ast von seinem Motorrad geschlagen worden. Wieder brach die Stromversorgung zusammen und weite Teile unserer Insel wurden überflutet. Die Klinik stand unter Wasser, blieb dieses Mal ohne größeren Gebäudeschaden, da wir sie ja gerade repariert haben. Die Farm wurde leider schwerer getroffen. Die gesamte Ernte ging verloren. Auch die Palmendächer für die Heilpflanzen und Tierställe nahmen Schaden. Wir mussten wieder von vorne anfangen.

 

Angst um die Versorgung der Kinder

Zeitweise gab es Versorgungsengpässe. Wir hatten Mühe, dass Ernährungsprogramm für unsere 74 Kinder aufrecht zu erhalten. Das machte uns große Sorgen, da die Kinder uns sehr am Herzen liegen und das Programm eine große Hilfe für die Familien ist, da viele Familienväter ihre Arbeit verloren haben. Der Engpass kam dadurch zustande, dass der Fährverkehr teilweise eingestellt worden war und aus Manila kein Nachschub kam. 

 

Danke für die Hilfe in der Not

So gilt unser besonderer Dank allen, die uns immer wieder Zuspruch geben, uns schreiben und uns in finanzieller und materieller Hilfe unterstützen. Ohne diese Hilfe könnten wir all das nicht leisten, was wir schon über so viele Jahre hinweg tun.