Text: Christiane Winter | Fotos: HDZ
Am letzten Sonntag im Januar wird weltweit der Welt-Lepra-Tag begangen. Er erinnert an eine Krankheit, die medizinisch heute gut behandelbar ist – gesellschaftlich aber noch immer mit Angst, Stigmatisierung und Ausgrenzung verbunden wird. Lepra ist heilbar. Doch für viele Betroffene bleiben Armut, soziale Isolation und die Folgen von Naturkatastrophen eine lebenslange Herausforderung.
Lepra – was heute medizinisch gilt
Lepra wird durch das Bakterium Mycobacterium leprae verursacht. Die Inkubationszeit kann zwischen einem und zwanzig Jahren liegen. Die Therapie besteht aus einer Kombination von Dapson, Rifampicin und Clofazimin über sechs bis zwölf Monate. Bei frühzeitiger Behandlung lassen sich Behinderungen und Folgeschäden verhindern.
Die Erkrankung beginnt meist mit unscheinbaren Hautveränderungen. Rund 75 Prozent der Betroffenen genesen ohne bleibende Schäden. Bei etwa einem Viertel kommt es jedoch zu schweren Verläufen mit Nervenschädigungen, Verlust des Schmerzempfindens und in der Folge zu Verletzungen und Deformierungen. Weltweit werden jedes Jahr rund 200.000 Neuerkrankungen gemeldet, vor allem in Südostasien, Südamerika und Afrika. In Deutschland tritt Lepra nur noch sehr selten auf – etwa ein Fall pro Jahr.
Engagement aus der Zahnärzteschaft
Seit fast 40 Jahren engagiert sich das Hilfswerk Deutscher Zahnärzte (HDZ) für Menschen in Lepra- und Notgebieten. Die Initiative geht auf den Göttinger Zahnarzt Carl Heinz Bartels zurück, der nach einer Reise in südostasiatische Lepragebiete die „Patenschaft Niedersächsischer Zahnärzte für Lepragebiete“ ins Leben rief. Aus dieser Patenschaft entwickelte sich die Stiftung HDZ.
Heute unterstützt die Stiftung nicht nur medizinische Versorgung, sondern auch Bildungs- und Infrastrukturprojekte – denn nachhaltige Hilfe endet nicht bei Medikamenten.
Hilfe auf Madagaskar: Zwei Dörfer, eine Perspektive
Ein Beispiel für dieses langfristige Engagement sind zwei Lepradörfer im Norden Madagaskars, die das HDZ seit über 30 Jahren unterstützt. Diese Siedlungen entstanden noch in der Kolonialzeit und wurden nach der Unabhängigkeit weitgehend sich selbst überlassen.
Durch die Arbeit der lokalen Partnerorganisation CALA konnten Unterkünfte, eine Schule und eine regelmäßige medizinische Betreuung aufgebaut werden. Die Schule hat sich zu einem wichtigen Bildungsort entwickelt, den inzwischen auch Kinder aus den umliegenden Dörfern besuchen. So entstehen Begegnungen – und Vorurteile gegenüber ehemals Leprakranken werden abgebaut.
Zyklon Gamané: Wenn Naturkatastrophen alles zerstören
Im April 2024 traf der Zyklon Gamané die Nordostküste Madagaskars mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 210 km/h. Die Auswirkungen auf die Lepradörfer Belfort und Jules waren dramatisch:
Vier Hektar Waldfläche wurden zerstört
Häuser und Infrastruktur wurden schwer beschädigt
Das medizinische Versorgungsgebäude ist einsturzgefährdet
Die Wasserversorgung brach zusammen
Viele der Bewohnerinnen und Bewohner sind ehemalige Leprakranke mit körperlichen Einschränkungen. Sie verloren innerhalb weniger Stunden ihre Lebensgrundlage.
Was jetzt dringend gebraucht wird
Um den Menschen vor Ort wieder eine Perspektive zu geben, sind konkrete Maßnahmen nötig:
- Neubau eines Brunnens und Instandsetzung eines weiteren Brunnens
- Bau eines neuen medizinischen Versorgungsgebäudes
- Errichtung von 15 Unterkünften für obdachlose Familien
Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 10.000 Euro. Zusätzlich werden 15.000 Euro benötigt, um die tägliche Schulmahlzeit für 250 Kinder im Schuljahr 2024/2025 sicherzustellen. Für viele Kinder ist diese Mahlzeit die einzige regelmäßige Versorgung am Tag – und Voraussetzung dafür, überhaupt zur Schule gehen zu können.
Warum dieses Engagement zählt
Die Arbeit von HDZ und CALA zeigt: Medizinische Hilfe bedeutet mehr als Therapie. Sie schafft Lebensperspektiven, bekämpft Ausgrenzung und gibt Menschen ihre Würde zurück. Für Ärztinnen und Ärzte ist Lepra deshalb nicht nur ein medizinisches Thema, sondern auch eine Frage gesellschaftlicher Verantwortung.
Altgold hilft Leben zu verändern
Ein wichtiger Teil der Finanzierung stammt aus Altgoldspenden. Zahn- und Altgold werden von der Gold- und Silberscheideanstalt Kulzer GmbH (Hanau) kostenlos aufbereitet. Der Materialwert kommt ohne Abzüge der Stiftung zugute. Die Stiftung stellt dafür alle nötigen Unterlagen bereit. Persönliche Daten werden ausschließlich für eigene Zwecke verwendet und nicht an Dritte weitergegeben.
Fazit
Lepra ist heute heilbar. Doch Armut, soziale Ausgrenzung und Naturkatastrophen verschärfen die Lebenssituation vieler Betroffener erheblich. Der Welt-Lepra-Tag erinnert daran, dass medizinisches Wissen und humanitäres Engagement untrennbar zusammengehören.
Wenn Sie die Arbeit der Stiftung Hilfswerk Deutscher Zahnärzte unterstützen möchten, helfen Sie konkret dort, wo Menschen sonst vergessen werden.















