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„Ich konnte nicht glauben, dass es so etwas in Europa noch gibt“ – Flüchtlingselend in Bosnien-Herzegowina

Sie kommen aus Pakistan, dem Iran, Irak, Syrien oder Afghanistan und haben nur ein Ziel vor Augen: Europa. Gut ein Drittel der Flüchtlinge, die in Bosnien stranden, sind unbegleitete Minderjährige und Familien mit Kindern. Nachdem es durch scharfe Kontrollen und neue kilometerlange Grenzzäune an der alten Balkanroute nahezu unmöglich geworden ist, in die EU zu gelangen, versuchen die Flüchtlinge nun auf einer neuen Balkanroute über die „Grüne Grenze“ von Bosnien-Herzegowina nach Kroatien und Slowenien ihr Glück.

Lucy Schweingruber vom Deutschen Roten Kreuz hatte kürzlich Gelegenheit, sich ein Bild vor Ort von der Lage in den Camps zu machen. „Ich war erschüttert, dass eine so dramatische humanitäre Lage mitten in Europa zu unserer Zeit tatsächlich noch passieren kann“, sagt sie. “Die Temperaturen werden nun jeden Tag weiter fallen, damit droht Schlimmes.“ Das HDZ ist mit dem DRK seit langem freundschaftlich verbunden und unterstützt daher auch die Aktivitäten der Hilfsorganisation auf dem Balkan. In Bosnien ist Hilfe dringend notwendig.

Fakt ist: Allein im vergangenen Jahr gab es über 26.000 Neuankünfte in Bosnien-Herzegowina (BiH). Für die erste Hälfte des Jahres 2019 schätzt das DRK die Zahl der Migranten auf etwa 11.000. In der Grenzregion gibt es fünf offizielle Aufnahmezentren, doch die Zahl der Flüchtlinge übersteigt deren Kapazitäten. Viele Menschen schlafen daher im Freien, in verlassenen Häusern oder anderen Gebäuden. Dadurch kommt es verstärkt zu Spannungen mit der örtlichen Bevölkerung und zu einem sichtbaren Verfall öffentlicher Plätze. 

Seit Juni 2019 gibt es ein inoffizielles Lager in Vucjak, in dem die Lage besonders prekär ist. 600-800 Menschen wurden dort – meist gegen ihren Willen – untergebracht. Vucjak ist die Antwort der 50.000-Einwohner-Stadt Bihac auf den Flüchtlingsstrom, den sie kaum mehr bewältigen kann. Unmittelbar an der Grenze zu Kroatien gelegen, zieht die Stadt tausende Menschen an, die ohne Papiere über die „grüne“ Grenze gehen wollen. Mit geringen Mitteln stampfte die Stadtverwaltung daher auf einer ehemaligen Mülldeponie das Lager Vucjak aus dem Boden.

Die Bedingungen, unter denen die Flüchtlinge dort leben, sind menschenunwürdig. „Es fehlt an allem“, berichtet Lucy Schweingruber vom DRK. „Die sanitären Einrichtungen sind minimal, es sind nicht genügend Unterkünfte vorhanden und es gibt lediglich einen einzigen Generator für das Aufladen von Mobiltelefonen“.

Vor Ort helfen nur das Rote Kreuz und Privatpersonen. Mobile Teams des DRK versuchen, die Ernährung und medizinische Versorgung der Menschen sicherzustellen, aber auch das Rote Kreuz kommt durch die steigende Zahl der Flüchtlinge mehr und mehr an seine Grenze. Eine große Bedrohung geht zudem noch von dem herannahenden Winter aus, dem die Menschen schutzlos ausgeliefert sein werden. Die Lage rund um Bihac wird sich also weiter zuspitzen.

Das DRK und das HDZ bitten daher dringend um Unterstützung. Die Spendengelder sollen u.a. dafür verwendet werden, Wohncontainer zu errichten und die Menschen mit Erste-Hilfe, Material, Nahrungsmitteln, Hygieneartikeln und Kleidung zu versorgen.